VertiefungTeil 2 von 4 · Kassensystem & Kartenzahlung

Kartenzahlung in der Gastronomie: Gebührenmodelle verstehen und vergleichen

Angebote für Kartenzahlung sehen auf den ersten Blick ähnlich aus – und unterscheiden sich in der Praxis um Hunderte Euro pro Monat. Wer die Bestandteile der Gebühren versteht, kann fair vergleichen und Verhandlungsspielräume nutzen.

3 Min. LesezeitAktualisiert: Herstellerneutral

Woraus sich eine Kartengebühr zusammensetzt

Bei jeder Kartenzahlung verdienen mehrere Parteien mit. Die Gebühr, die du zahlst, setzt sich typischerweise aus drei Teilen zusammen:

  • Interchange: Geht an die Bank des Karteninhabers. Innerhalb der EU gesetzlich gedeckelt (Debitkarten 0,2 %, Kreditkarten 0,3 % für Verbraucherkarten). Firmenkarten und Karten aus Nicht-EU-Ländern liegen deutlich höher.
  • Scheme Fee: Geht an das Kartennetzwerk (z. B. die Betreiber der internationalen Kreditkartensysteme). Meist im Bereich von 0,05 – 0,15 %.
  • Acquirer-Marge: Der Anteil deines Zahlungsdienstleisters für Abwicklung, Terminal, Support und Risiko. Hier liegt der eigentliche Verhandlungsspielraum.

Dazu kommen häufig fixe Kosten: Terminalmiete, monatliche Grundgebühr, Transaktionspauschalen (z. B. 0,05 – 0,10 € je Zahlung) oder Gebühren für Auszahlungen.

Die drei gängigen Gebührenmodelle

ModellFunktionsweiseVorteilNachteil
Pauschal (Blended Rate)Ein Prozentsatz für alle Karten, z. B. 1,39 %Einfach, planbarMeist teurer bei hohem Girocard-Anteil
Interchange++Tatsächliche Interchange + Scheme Fee + feste MargeTransparent, oft günstiger bei VolumenAbrechnung komplex, schwankend
Nach Kartenart gestaffeltEigener Satz für Girocard, Debit, Kredit, FirmenkartenGuter KompromissVergleich nur mit eigener Kartenmix-Analyse möglich

Welches Modell günstiger ist, hängt von deinem Kartenmix ab. In der deutschen Gastronomie dominiert nach wie vor die Girocard, deren Interchange sehr niedrig ist. Ein Pauschalsatz von 1,39 % ist für Girocard-Zahlungen damit vergleichsweise teuer.

Rechenbeispiel: 30.000 € Kartenumsatz im Monat

Angenommen, 60 % deines Kartenumsatzes laufen über Girocard, 30 % über Debit-/Kreditkarten von Verbrauchern und 10 % über Firmen- oder Auslandskarten:

ModellBeispielkonditionenMonatliche Kosten (gerundet)
Pauschal 1,39 %Alle Karten gleichca. 417 €
GestaffeltGirocard 0,25 %, Debit/Kredit 1,2 %, Firmen/Ausland 2,5 %ca. 228 €
Interchange++Interchange + Scheme + 0,35 % Marge + 0,05 €/Transaktion (1.500 Zahlungen)ca. 260 €

Die Unterschiede summieren sich auf über 2.000 € im Jahr – bei einem einzigen Standort. Frage deinen aktuellen Anbieter nach einer Auswertung deines Kartenmix; damit kannst du jedes neue Angebot realistisch durchrechnen.

Girocard, Kreditkarte, Wallet: Was Gäste heute nutzen

Neben der klassischen Girocard und Kreditkarten zahlen immer mehr Gäste kontaktlos per Smartphone oder Smartwatch. Technisch läuft die Wallet-Zahlung über die hinterlegte Karte – die Gebühr richtet sich also nach der Kartenart dahinter. Achte darauf, dass dein Terminal alle gängigen Verfahren kontaktlos akzeptiert, inklusive Trinkgeldabfrage vor der Zahlung.

Worauf du im Vertrag achten solltest

  • Laufzeit und Kündigung: 1 – 3 Monate sind fair; 36 Monate mit automatischer Verlängerung ein Warnsignal.
  • Terminalmiete vs. Kauf: Bei mehreren Terminals und langer Nutzung kann der Kauf günstiger sein – prüfe aber Garantie und Austausch.
  • Auszahlungsrhythmus: Täglich, wöchentlich oder erst nach mehreren Werktagen? Das beeinflusst deine Liquidität.
  • Trinkgeld-Handling: Wird Trinkgeld getrennt ausgewiesen und nicht als Umsatz verbucht?
  • Mindestumsatz und Inaktivitätsgebühren: Besonders bei Saisonbetrieben relevant.
  • Integration in die Kasse: Ist die Kassenanbindung im Preis enthalten oder ein Zusatzmodul?
Praxis-Tipp

Hole immer zwei bis drei Angebote ein und lass sie auf Basis deines echten Kartenmix rechnen. Viele Anbieter passen ihre Konditionen an, wenn ein konkretes Vergleichsangebot vorliegt.

Herstellerneutral: In unseren Insights nennen wir bewusst keine konkreten Systeme oder Anbieter. Welche Lösung zu deinem Betrieb passt, klären wir gemeinsam in der Beratung.
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gastro-beratung.de

Geschrieben vom Team von gastro-beratung.de

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