Kartenzahlung in der Gastronomie: Gebührenmodelle verstehen und vergleichen
Angebote für Kartenzahlung sehen auf den ersten Blick ähnlich aus – und unterscheiden sich in der Praxis um Hunderte Euro pro Monat. Wer die Bestandteile der Gebühren versteht, kann fair vergleichen und Verhandlungsspielräume nutzen.
Woraus sich eine Kartengebühr zusammensetzt
Bei jeder Kartenzahlung verdienen mehrere Parteien mit. Die Gebühr, die du zahlst, setzt sich typischerweise aus drei Teilen zusammen:
- Interchange: Geht an die Bank des Karteninhabers. Innerhalb der EU gesetzlich gedeckelt (Debitkarten 0,2 %, Kreditkarten 0,3 % für Verbraucherkarten). Firmenkarten und Karten aus Nicht-EU-Ländern liegen deutlich höher.
- Scheme Fee: Geht an das Kartennetzwerk (z. B. die Betreiber der internationalen Kreditkartensysteme). Meist im Bereich von 0,05 – 0,15 %.
- Acquirer-Marge: Der Anteil deines Zahlungsdienstleisters für Abwicklung, Terminal, Support und Risiko. Hier liegt der eigentliche Verhandlungsspielraum.
Dazu kommen häufig fixe Kosten: Terminalmiete, monatliche Grundgebühr, Transaktionspauschalen (z. B. 0,05 – 0,10 € je Zahlung) oder Gebühren für Auszahlungen.
Die drei gängigen Gebührenmodelle
| Modell | Funktionsweise | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Pauschal (Blended Rate) | Ein Prozentsatz für alle Karten, z. B. 1,39 % | Einfach, planbar | Meist teurer bei hohem Girocard-Anteil |
| Interchange++ | Tatsächliche Interchange + Scheme Fee + feste Marge | Transparent, oft günstiger bei Volumen | Abrechnung komplex, schwankend |
| Nach Kartenart gestaffelt | Eigener Satz für Girocard, Debit, Kredit, Firmenkarten | Guter Kompromiss | Vergleich nur mit eigener Kartenmix-Analyse möglich |
Welches Modell günstiger ist, hängt von deinem Kartenmix ab. In der deutschen Gastronomie dominiert nach wie vor die Girocard, deren Interchange sehr niedrig ist. Ein Pauschalsatz von 1,39 % ist für Girocard-Zahlungen damit vergleichsweise teuer.
Rechenbeispiel: 30.000 € Kartenumsatz im Monat
Angenommen, 60 % deines Kartenumsatzes laufen über Girocard, 30 % über Debit-/Kreditkarten von Verbrauchern und 10 % über Firmen- oder Auslandskarten:
| Modell | Beispielkonditionen | Monatliche Kosten (gerundet) |
|---|---|---|
| Pauschal 1,39 % | Alle Karten gleich | ca. 417 € |
| Gestaffelt | Girocard 0,25 %, Debit/Kredit 1,2 %, Firmen/Ausland 2,5 % | ca. 228 € |
| Interchange++ | Interchange + Scheme + 0,35 % Marge + 0,05 €/Transaktion (1.500 Zahlungen) | ca. 260 € |
Die Unterschiede summieren sich auf über 2.000 € im Jahr – bei einem einzigen Standort. Frage deinen aktuellen Anbieter nach einer Auswertung deines Kartenmix; damit kannst du jedes neue Angebot realistisch durchrechnen.
Girocard, Kreditkarte, Wallet: Was Gäste heute nutzen
Neben der klassischen Girocard und Kreditkarten zahlen immer mehr Gäste kontaktlos per Smartphone oder Smartwatch. Technisch läuft die Wallet-Zahlung über die hinterlegte Karte – die Gebühr richtet sich also nach der Kartenart dahinter. Achte darauf, dass dein Terminal alle gängigen Verfahren kontaktlos akzeptiert, inklusive Trinkgeldabfrage vor der Zahlung.
Worauf du im Vertrag achten solltest
- Laufzeit und Kündigung: 1 – 3 Monate sind fair; 36 Monate mit automatischer Verlängerung ein Warnsignal.
- Terminalmiete vs. Kauf: Bei mehreren Terminals und langer Nutzung kann der Kauf günstiger sein – prüfe aber Garantie und Austausch.
- Auszahlungsrhythmus: Täglich, wöchentlich oder erst nach mehreren Werktagen? Das beeinflusst deine Liquidität.
- Trinkgeld-Handling: Wird Trinkgeld getrennt ausgewiesen und nicht als Umsatz verbucht?
- Mindestumsatz und Inaktivitätsgebühren: Besonders bei Saisonbetrieben relevant.
- Integration in die Kasse: Ist die Kassenanbindung im Preis enthalten oder ein Zusatzmodul?
Hole immer zwei bis drei Angebote ein und lass sie auf Basis deines echten Kartenmix rechnen. Viele Anbieter passen ihre Konditionen an, wenn ein konkretes Vergleichsangebot vorliegt.
