VertiefungTeil 1 von 3 · Personal- und Schichtplanung

Digitale Zeiterfassung: Pflichten, Methoden und Umsetzung

Zeiterfassung ist kein Misstrauensinstrument, sondern schafft Klarheit für beide Seiten: Mitarbeiter wissen, dass jede Stunde zählt, und du hast belastbare Zahlen für Lohnabrechnung und Planung. So setzt du sie richtig um.

2 Min. LesezeitAktualisiert: Herstellerneutral

Die rechtlichen Grundlagen kurz erklärt

In der Gastronomie besteht nach dem Mindestlohngesetz seit Jahren die Pflicht, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen – spätestens bis zum siebten Kalendertag nach dem Arbeitstag. Das Bundesarbeitsgericht hat darüber hinaus klargestellt, dass Arbeitgeber grundsätzlich verpflichtet sind, ein System zur Erfassung der Arbeitszeit einzuführen. Die Aufzeichnungen sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren.

Die Form ist nicht zwingend elektronisch vorgeschrieben. In der Praxis ist die digitale Erfassung jedoch der einzige Weg, der ohne Zettelwirtschaft funktioniert und Zuschläge, Pausen und Überstunden automatisch korrekt berechnet.

Erfassungsmethoden im Vergleich

MethodeVorteileNachteileGeeignet für
App auf dem eigenen SmartphoneKeine Hardware, Standortprüfung möglichSetzt Smartphone voraus, Datenschutz beachtenKleine bis mittlere Teams
Terminal / Tablet im BetriebZentral, für alle nutzbar, mit PIN oder ChipAnschaffung, Standort im Betrieb nötigBetriebe mit Aushilfen ohne Smartphone-Nutzung
Login in der KasseKeine zusätzliche Hardware, an bestehende Routine gekoppeltNur für Personal mit Kassenzugang, Küche oft außen vorService-Teams
Manuelle Erfassung durch LeitungEinfachFehleranfällig, kein Nachweis der EigenerfassungÜbergangslösung

Anforderungen an ein gutes System

  • Pausenerfassung – manuell durch den Mitarbeiter oder automatisch nach gesetzlichen Vorgaben
  • Korrekturprozess mit Antrag durch den Mitarbeiter und Freigabe durch die Leitung, inklusive Protokoll
  • Warnungen bei fehlenden Stempelungen, überschrittenen Höchstarbeitszeiten und unterschrittenen Ruhezeiten
  • Zuschlagsberechnung für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit
  • Stundenkonten mit Einblick für den Mitarbeiter
  • Export für die Lohnabrechnung im passenden Format

Datenschutz bei der Zeiterfassung

Arbeitszeitdaten sind personenbezogene Daten. Erfasse nur, was nötig ist: Bei App-basierter Erfassung reicht die Prüfung, ob der Mitarbeiter sich im Betrieb befindet – eine dauerhafte Standortverfolgung ist unzulässig. Informiere das Team schriftlich darüber, welche Daten erfasst und wie lange sie gespeichert werden. Bei einem Betriebsrat ist die Einführung mitbestimmungspflichtig.

Praxis-Tipp

Gib jedem Mitarbeiter Einblick in das eigene Stundenkonto. Transparenz nimmt der Zeiterfassung den Kontroll-Charakter und reduziert Diskussionen am Monatsende drastisch.

Einführung in fünf Schritten

  1. 1Methode wählen und Hardware bzw. App bereitstellen
  2. 2Pausenregelung, Rundungsregeln und Korrekturprozess schriftlich festlegen
  3. 3Team informieren – Nutzen erklären, Fragen klären, Datenschutzhinweis aushändigen
  4. 4Zwei Wochen Testphase mit täglicher Kontrolle auf fehlende Stempelungen
  5. 5Erste Lohnabrechnung gemeinsam mit dem Steuerberater auf Basis der digitalen Daten prüfen

Hinweis: Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung.

Herstellerneutral: In unseren Insights nennen wir bewusst keine konkreten Systeme oder Anbieter. Welche Lösung zu deinem Betrieb passt, klären wir gemeinsam in der Beratung.
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Geschrieben vom Team von gastro-beratung.de

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